Die Leberzirrhose stellt das Endstadium einer chronischen Lebererkrankung dar. Sie entwickelt sich langsam über die Jahre auf Grundlage unterschiedlicher Ursachen. Häufig liegen ein überhöhter und langjähriger Alkoholkonsum, eine Fettleber oder chronische Virusinfektionen vor.
Doch auch seltenere Auslöser, wie Erkrankungen der Gallenwege, angeborene Stoffwechselstörungen oder autoimmune Lebererkrankungen können zu einer Leberzirrhose führen. Im Gegensatz zu gesunden Menschen ist die Lebenserwartung von Patienten mit Leberzirrhose deutlich verkürzt.

Stadieneinteilung unterstützt Prognose

Die Leberzirrhose wird anhand der „Child-Pugh-Kriterien“ in die Stadien Child A bis Child C eingeteilt. Ist zu Beginn die Erkrankung noch gering ausgeprägt, so nimmt die Schwere im Verlauf deutlich zu. Um eine Prognose hinsichtlich der Lebenserwartung stellen zu können, werden die Leberfunktion sowie die Folgeerkrankungen untersucht.
Im kompensierten Stadium (Child-Pugh A) werden im Allgemeinen noch keine Beeinträchtigungen wahrgenommen. Entsprechend ist die Lebenserwartung noch nicht so stark eingeschränkt. Entwickelt sich jedoch eine dekompensierte Leberzirrhose (Child-Pugh B und C), können Komplikationen wie hepatische Enzephalopathie, Gelbsucht, Aszites (Bauchwassersucht), oder Blutungen auftreten. Hier ist die Lebenserwartung bereits deutlich schlechter.

1-Jahres Überlebensraten nach Child-Pugh

Child-Pugh-Stadium 1-Jahres Überlebensrate Bewertung1
Child A Ca. 100 % gute Leberfunktion
Child B Ca. 80 % mäßige Leberfunktion
Child C Ca. 35 % schlechte Leberfunktion

*1 Pschyrembel, Child-Pugh-Klassifikation

Lebenserwartung sinkt bei Komplikationen

Patienten mit Leberzirrhose versterben in der Regel an Leberversagen, Blutungen in der Speiseröhre oder im Magen und durch Leberkrebs. Jährlich entwickeln bis zu 6% der Patienten, deren Erkrankung auf eine Hepatitis C zurückgeht, einen Leberkrebs.
Hat sich eine Bauchwassersucht und Pfortaderhochdruck gebildet, so verstirbt jeder zweite Patient innerhalb von zwei Jahren. Entzündet sich der Bauchraum zusätzlich, so sinkt die Lebenserwartung auf bis zu 10%. Trinkt ein Betroffener weiterhin Alkohol, so liegt die Wahrscheinlichkeit, mit alkoholbedingter Leberzirrhose die nächsten fünf Jahre zu überleben, bei lediglich 50%. Die geringste Lebenserwartung haben allerdings Patienten, die zusätzlich eine hepatische Enzephalopathie aufweisen. Unbehandelt verstirbt fast die Hälfte der Betroffenen innerhalb eines Monats und nach fünf Jahren sind es 85%.

Effektive Behandlung kann Erkrankung verlangsamen

Eine Leberzirrhose ist zwar behandelbar, aber nicht heilbar. Durch die bisher bekannten Therapiemaßnahmen lässt sich die Erkrankung nur in ihrem Voranschreiten verlangsamen oder im besten Fall aufhalten und die Beschwerden lindern. Je nach Ursache sollten vor allem die Grunderkrankungen gezielt behandelt werden. Im dekompensierten Stadium kommt zusätzlich die Vermeidung von Komplikationen hinzu. Wenn die Leberzirrhose bereits weit fortgeschritten ist, kommt häufig als letzte Option nur eine Lebertransplantation infrage.

Die Lebenserwartung von Patienten mit Leberzirrhose ist deutlich verkürzt.

Quellen:

https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/leberzirrhose/prognose-verlauf.html (letzter Zugriff am 07.05.2020)
https://www.gastro-liga.de/fileadmin/download/Leberzirrhose_139-01-16.pdf (letzter Zugriff am 07.05.2020)
https://www.pschyrembel.de/Child-Pugh-Klassifikation/K04R4 (letzter Zugriff am: 03.07.2020)
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