Überblick: Was ist eine Gelbsucht?

Bei einer Gelbsucht steigt die Konzentration des Farbstoffs Bilirubin im Blut an. Dieser ist ein Abbauprodukt des Hämoglobins, der ein zentraler Teil der roten Blutkörperchen und für den Sauerstofftransport in die Organe und Gewebe unentbehrlich ist. Der Körper kann das Bilirubin nicht mehr genügend ausscheiden und es sammelt sich im Gewebe an. Die Gelbfärbung zeigt sich an der Haut und den Schleimhäuten, zunächst an der Lederhaut des Auges, die normalerweise weiß erscheint. Auch der Urin verfärbt sich in vielen Fällen dunkel, während der Stuhl heller wird.

Der medizinische Fachbegriff für die Gelbsucht ist Ikterus. Dabei handelt es sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom. Es zeigt, dass im Körper an irgendeiner Stelle etwas nicht in Ordnung ist. Die Gelbsucht kann verschiedene Ursachen haben. So kann zum Beispiel der Abfluss der Gallenflüssigkeit durch ein Hindernis (z. B. Gallenstein, Tumor) gestört oder die Leber entzündet sein. Auch manche Medikamente oder Gifte können die Gelbsucht auslösen. Die Gründe für die Gelbsucht lassen sich oft mit Hilfe von bildgebenden Verfahren aufspüren oder eingrenzen, etwa einer Ultraschalluntersuchung oder Computertomografie (CT).

Die Behandlung des Ikterus setzt wo immer möglich an der Ursache an, also an der jeweiligen Grunderkrankung. Wenn Ärztinnen und Ärzte sie mit der richtigen Therapie in den Griff bekommen, verschwindet auch die Gelbsucht in der Regel wieder.

Gelbsucht: Ursachen sind verschieden

Bei Menschen mit Gelbsucht ist die Konzentration des Bilirubins im Blut zu hoch. Der Körper kann den Gallenfarbstoff nicht mehr ausreichend verarbeiten oder ausscheiden. Er sammelt sich an und lagert sich im Gewebe ab. Dies zeigt sich schließlich als Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute, typischerweise zunächst im Auge.

Galle und Bilirubin – diese Rolle spielen sie im Körper und bei der Gelbsucht

Die Leber bildet die Gallenflüssigkeit (kurz Galle), um die Verdauung im Darm zu unterstützen. Die Galle setzt sich hauptsächlich aus Bilirubin, Cholesterin und Gallensäuren zusammen. Diese Bestandteile helfen beim Verdauungsprozess mit.
Die Leber scheidet die Galle aus, sie wird in die Gallenblase transportiert, dort angedickt und höher konzentriert gespeichert. Wenn ein Mensch Nahrung zu sich nimmt, gelangt die angedickte Galle über den Gallengang in den Zwölffingerdarm und unterstützt dort die Verdauung. Dieser Prozess ist übrigens auch ohne Gallenblase möglich, weil die Leber die Galle im Überschuss produziert. Täglich wird ungefähr ein Liter Gallenflüssigkeit ausgeschieden – das Bilirubin macht mit rund 250 Milligramm nur einen sehr kleinen Teil aus.

Bilirubin entsteht in der Milz, wenn „alte, verbrauchte“ rote Blutkörperchen zerstört und abgebaut werden. Bilirubin gilt als „Abfallstoff“ des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der keinen besonderen Nutzen hat. Es ist im Blut nicht löslich. Daher wird es an ein Eiweiß gebunden, um transportfähig gemacht zu werden. Über den Blutkreislauf gelangt es in die Leber, wo es an kleinen Zuckerteilchen festgemacht wird und somit zu einer wasserlöslichen Verbindung wird. Von dort aus gelangt Bilirubin in die Gallenflüssigkeit, dann in die Gallenblase und schließlich in den Zwölffingerdarm. Eine geringfügige Menge Bilirubin wird über die Nieren und den Harn aus dem Körper ausgeschieden.

Bilirubin ist in der verdauten Nahrung vorhanden, wird von Bakterien in Urobilinogen umgewandelt und färbt den Stuhl als Stercobilin bräunlich. Kommen keine ausreichenden Mengen an Gallenflüssigkeit in den Zwölffingerdarm, bleibt der Stuhl hell. Auch über die Nieren wird der Farbstoff Urobilin ausgeschieden, was den Urin normalerweise gelb färbt. Weil bei einem Gallenstau zugleich größere Mengen an wasserlöslichem Gallenfarbstoff über den Urin ausgeschieden werden, bekommt der Harn jetzt eine braune Färbung.

Die wichtigsten Gelbsucht-Ursachen im Überblick

Eine Gelbsucht kann verschiedene Ursachen haben, die meist in der Galle und Leber liegen. Mediziner und Medizinerinnen unterscheiden allgemein, ob die Störung innerhalb oder außerhalb der Leber liegt (intra- oder extrahepatisch).

Je nach Ort der Entstehung gibt es folgende Ursachen der Gelbsucht:

  • Cholestatischer Ikterus: Die Ursache ist in der Galle zu suchen. Dabei gibt es ein mechanisches Hindernis, das den Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Gallenwegen blockiert. „Cholestase“ ist der medizinische Fachbegriff dafür. Meist handelt es sich dabei um Gallensteine, die viele Menschen haben. Gallensteine können zudem sehr schmerzhaft werden und eine Gallenkolik sowie Entzündungen zur Folge haben. Neben der Gelbsucht kommen in diesem Fall Oberbauchschmerzen, Fieber oder eine Gewichtsabnahme hinzu. Möglich ist es aber auch, dass ein Tumor die Gallenwege verengt und so den Abfluss stört. Solche Tumoren können sich in der Gallenblase, Bauchspeicheldrüse oder im Zwölffingerdarm befinden. Prinzipiell kann der Gallenfluss an jeder Stelle unterbrochen sein.
  • Hepatischer Ikterus: Die Ursachen der Gelbsucht liegen in diesem Fall in der Leber. Verantwortlich für den Ikterus kann eine Leberentzündung (Hepatitis) sein. Bekannt sind verschiedene Verursacher der Leberentzündung, etwa Hepatitisviren, Gifte (auch Alkohol) oder Medikamente. Die Hepatitis schädigt die Leberzellen. Mögliche Symptome sind Müdigkeit und Gelenkschmerzen. Auch eine Leberzirrhose, bei der Lebergewebe zugrunde geht, kann die Ursache einer Gelbsucht sein. Schreitet sie voran, ist schließlich zu wenig Lebergewebe vorhanden, um das Bilirubin zu verarbeiten – es sammelt sich an und ein Ikterus entsteht.
  • Hämolytischer Ikterus: Dabei zerfallen übermäßige Mengen an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und es entstehen große Mengen an Bilirubin (ein Abbauprodukt). Dem Körper gelingt es nicht mehr, die hohen Konzentrationen an Bilirubin vollständig abzubauen. Die Gründe für den starken Zerfall roter Blutkörperchen können Infektionen, überschießende Immunreaktionen oder Fehlbildungen der Erythrozyten sein.
  • Gilbert-Syndrom (Meulengracht-Krankheit): Eine erblich bedingte verminderte Fähigkeit der Leber, den Gallefarbstoff Bilirubin an Zuckerteilchen zu binden, um ihn dadurch wasserlöslich zu machen. Betroffene haben deshalb einen leicht erhöhten Bilirubin-Spiegel im Blut. Ihre Haut erscheint gelb. Betroffen von diesem genetischen Defekt sind ungefähr fünf bis neun Prozent der Bevölkerung Europas. Diese Form der Gelbsucht besitzt in der Regel keinen Krankheitswert. Ärzte und Ärztinnen müssen sie nicht behandeln – es sei denn, es sind noch andere körperliche Auffälligkeiten vorhanden.

Eine Gelbsucht kann auch bei Kindern und jungen Erwachsenen vorkommen. Dann könnte zum Beispiel ein Morbus Wilson hinter dem Ikterus stecken. Dies ist eine angeborene Lebererkrankung, bei der der Körper nicht ausreichend Kupfer ausscheidet – es sammelt sich im Körper an. Die Erkrankung heißt daher auch Kupferspeicherkrankheit. Ohne Behandlung nimmt die Leber großen Schaden. Ein Symptom dafür kann eine Gelbsucht sein.

Gelbsucht bei Neugeborenen

Bei Neugeborenen kommt die Gelbsucht relativ häufig vor – bei mehr als der Hälfte. Die Haut und Augäpfel der Babys verfärben sich gelb, während der Urin braun und der Stuhl hell ist.

Meist beginnt die Gelbsucht am zweiten oder dritten Lebenstag und erreicht den Höhepunkt an Tag fünf. Der Grund ist eine Anpassungsstörung der Leber in den ersten Tagen des Lebens. Nach der Geburt haben Neugeborene rote Blutkörperchen im Übermaß. Sie zerfallen, weil der kleine Organismus sie nicht benötigt – dabei entsteht Bilirubin als Abfallprodukt, das normalerweise in der Leber abgebaut wird. Weil die Leber aber noch nicht ausgereift ist, kann sie den Abbau großer Mengen an Bilirubin nicht bewältigen. Vorübergehend lagert sich der Farbstoff deshalb in den Schleimhäuten, Augäpfeln und der Haut ab. Nach zehn bis 14 Tagen ist das Bilirubin normalweise soweit beseitigt, dass die Verfärbungen nach und nach wieder abklingen.

Anhand einer Blutuntersuchung lässt sich die Höhe des Bilirubins im Blut des Babys feststellen. Therapeutische Maßnahmen sind nur ab einem bestimmten altersabhängigen Grenzwert nötig. Zum Einsatz kommt dann eine spezielle Lichttherapie mit blauem Licht. Es sorgt dafür, dass das Bilirubin in eine wasserlösliche Form übergeht und mit dem Urin ausgeschieden wird. Sehr selten ist ein Blutaustausch nötig.

Symptome: Gelbsucht färbt die Haut gelb

Eine Gelbsucht ist meist schon auf den ersten Blick erkennbar, denn durch die hohen Mengen an Bilirubin färben sich die Haut und Schleimhäute gelb. Als erstes ist die Lederhaut der Augen betroffen. Das ansonsten Weißliche im Auge erscheint gelb. Später ist auch die übrige Haut von der Gelbfärbung betroffen. Wie intensiv der Ikterus ist, hängt von der Produktion des Bilirubins sowie seiner Ausscheidung über die Niere und den Urin ab.

Es gibt eine normale Obergrenze für das Bilirubin im Blut: 1,1 mg dl (Milligramm pro 100 Milliliter). Bei höheren Werten von 2 bis 3 mg dl zeigt sich die Gelbfärbung erst im Auge, dann an der Haut. Der Farbstoff tritt aus dem Blut aus und lagert sich im Gewebe ab. Bei sehr hohen Bilirubin-Konzentrationen können sich sogar die inneren Organe gelb verfärben.

Darüber hinaus kann sich auch der Harn verfärben. Er nimmt oft eine bräunliche Farbe an (ähnlich wie Bier). Der Stuhl hellt sich dagegen auf und kann fast weiß erscheinen. Viele Menschen mit Gelbsucht verspüren außerdem einen Juckreiz, der ziemlich unangenehm und quälend sein kann. Die Gallensäuren sind für den Juckreiz verantwortlich.

Suchen Sie immer zeitnah eine Arztpraxis auf, wenn sie eine Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute sowie andere Symptome bei sich feststellen. Dort lässt sich die Ursache meist aufklären.

Diagnose Gelbsucht: Was macht der Arzt oder die Ärztin?

Ärztinnen und Ärzte erkennen die Gelbsucht in der Regel auf den ersten Blick anhand der Gelbfärbung der Augen und der Haut. Am Anfang der Ikterus-Diagnose steht immer das Gespräch zu Ihrer Krankengeschichte, die Anamnese. Interessant sind zum Beispiel folgende Fragen:

  • Welche Symptome haben Sie genau? (z. B. gelbe Augen, Haut, Müdigkeit, Juckreiz)
  • Wann haben Sie die Symptome erstmals bemerkt und wie lange bestehen sie schon?
  • Wie intensiv sind die Beschwerden ausgeprägt?
  • Haben sich die Symptome zwischendurch gebessert oder kontinuierlich verschlechtert?
  • Nehmen Sie Medikamente ein – falls ja: welche und seit wann?
  • Konsumieren Sie Gifte, etwa Alkohol und andere Drogen?
  • Sind Grunderkrankungen bei Ihnen bekannt?
  • Gibt es Krankheiten in Ihrer Familie?

Ihre Antworten liefern schon erste Hinweise auf die Ursache der Gelbsucht. Dann folgen weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine körperliche Untersuchung und Blutuntersuchung. Im Blut lässt sich die Bilirubin-Menge bestimmen, aber auch die Konzentration die Leberwerte: GOT, GPT, GGT =Gamma-GT und alkalische Phosphatase (AP). Zudem bestimmt das Labor das Eiweiß und den „INR-Wert“ oder „Quick/INR-Wert“ (Blutgerinnung).
Daneben kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz, um zum Beispiel Veränderungen der Leber oder Hindernisse in den Gallenwegen ausfindig zu machen. Beispiele sind:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Per Ultraschall lassen sich die Gallenwege und die Leber darstellen. Auffälligkeiten lassen sich so oft schon nachweisen, zum Beispiel Gallensteine. Der Ultraschall ist eine Methode, die schmerzfrei ist und ohne Strahlung funktioniert.
  • ERCP: Das Kürzel steht für „Endoskopisch Retrograde Cholangio-Pankreatikografie“. Mittels ERCP lassen sich die Gallengänge, Gallenblase und der Gang der Bauchspeicheldrüse mit Hilfe von Röntgenkontrastmitteln und einem speziellen Endoskop darstellen. Im Rahmen der ERCP lassen sich auch Gallensteine entfernen oder Gewebeproben entnehmen, etwa beim Verdacht auf einen bösartigen Tumor. Zusätzlich lässt sich ein gestautes Gallengangsystem schienen und entlasten.
  • Computertomografie: Das ist eine Röntgenuntersuchung, die dreidimensionale Schichtbilder aus dem Körperinneren liefert. Veränderungen von Organen und Geweben sind auf CT-Aufnahmen meist gut erkennbar.
  • Magnetresonanztomografie (MRT = Kernspintomografie): Diese Untersuchungsmethode arbeitet mit einem starken Magnetfeld. Auch hier lassen sich hochaufgelöste, dreidimensionale Schnittbilder erstellen, die Hinweise auf die Ursache der Gelbsucht liefern.
  • Gewebeprobe (Biopsie und Punktionen im Bauchraum: Diese Untersuchungsmethode wählen Ärzt*Innen, wenn der Verdacht auf einen Tumor besteht.

Gelbsucht: Behandlung der Ursache

Welche Behandlung bei einer Gelbsucht in Frage kommt, hängt immer von der Ursache ab. Bei einer Blockade der Gallenwege durch Gallensteine entfernen Ärzte und Ärztinnen das Hindernis. Dann kann die Galle wieder frei fließen. Dies geschieht oft schon im Rahmen der ERCP. Es gibt aber noch andere Methoden, um Gallensteine zu beseitigen, etwa die Zertrümmerung. Nach Abklingen der Symptome wird operativ die Gallenblase entfernt, um das Risiko des Wiederauftretens der Gelbsucht zu verringern. Sie ist nicht lebensnotwendig. Meist geschieht dies im Rahmen eines minimal-invasiven Eingriffs per Bauchspiegelung (Laparoskopie). Sie gilt als wesentlich schonender im Vergleich zu einer klassischen Operation, weil sie mit wenigen, kleinen Schnitten auskommt.

Auch Medikamente können die Gelbsucht auslösen. Es gilt, diese abzusetzen und Alternativen dafür zu finden. Meist erholt sich die Leber schnell wieder, wenn Sie die auslösenden Medikamente nicht mehr einnehmen. Ganz allgemein gilt: Nehmen Sie nur Arzneimittel ein, die für Sie nach Rücksprache mit Ihrem/Ihrer Arzt/Ärztin wirklich unverzichtbar sind. Denn der Abbau vieler Medikamente findet in der Leber statt.

Eine Leberentzündung aufgrund von Viren kann von selbst wieder ausheilen. Bei einer chronischen Hepatitis kommen jedoch verschiedene Medikamente zum Einsatz, welche die Viren bekämpfen. Beispiele sind Interferon (bei manchen durch Viren bedingte Leberentzündungen) oder antivirale Medikamente. Bei einer Überladung der Leber durch Eisen können Aderlässe helfen.

Wichtig ist auch, dass Sie bei einer Gelbsucht aufgrund einer Lebererkrankung auf Alkohol verzichten. Denn dieser belastet die Leber weiter und schränkt ihre Funktionsfähigkeit ein.

Prognose und Verlauf bei Gelbsucht

Die Prognose und der Verlauf bei einer Gelbsucht hängen entscheidend davon ab, ob es gelingt, die Ursache ausreichend zu bekämpfen. Wenn der Grund für den Ikterus beseitigt ist, etwa der Gallenstein, die Leberentzündung, Medikamente oder Gifte wie Alkohol, verschwindet die Gelbsucht in der Regel wieder.

Quellen: