Am 27. Januar 2020 verzeichnete Deutschland den ersten Coronafall. Der 27. Dezember desselben Jahres brachte hierzulande mit dem Beginn der bundesweiten Impfkampagne endlich Hoffnung auf einen Weg aus der Pandemie. Da die verfügbaren Impfstoffe weltweit gebraucht werden, war die Impfung jedoch nicht direkt allen Menschen zugänglich – und auch ein halbes Jahr später sind nicht alle, die es wollen, geimpft. Aber immerhin wurden bis zum 29. Juni 2021 in Deutschland 36,5 % der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft und 54,5 % haben mindestens eine Immunisierung erhalten.1

Aufgrund der Impfstoffknappheit wurde zunächst priorisiert, wer sich wann zur Immunisierung anmelden durfte. Das Robert Koch Institut (RKI) hatte seit Beginn der Pandemie analysiert, welche Krankheiten mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf einhergehen. Personen mit solchen Grunderkrankungen wurden in der anfänglichen Impfreihenfolge vorrangig behandelt. Am 7. Juni 2021 wurde diese Priorisierung zwar aufgehoben, die Länder konnten sie in ihren Impfzentren jedoch zunächst auch beibehalten.2

Menschen mit Leberzirrhose oder einer anderen chronischen Lebererkrankung zählten zur Gruppe mit hoher Priorität.3 Ob Leberkranke im Einzelfall tatsächlich ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben, hängt wohl von der Schwere der Lebererkrankung und anderen begleitenden Krankheiten ab. Nach Einschätzung der Deutschen Leberhilfe e. V. scheinen insbesondere solche Betroffene gefährdet zu sein, deren Leber schon stärker geschädigt ist, beispielsweise bei Leberzirrhose und Leberzellkrebs.4

Bis Ende Juni 2021 wurden auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur vier Impfstoffe gegen COVID-19 zur Verwendung in der EU zugelassen.5 Zwei davon zählen zu den sogenannten Vektorimpfstoffen, zwei zur Gruppe der mRNA-Impfstoffe. Die Deutsche Leberhilfe e.V. hält alle diese Impfstoffe für chronisch leberkranke Menschen für geeignet (Stand 30. Juni 2021). Diese Empfehlung gilt auch für Leberzirrhose, nach Lebertransplantation sowie autoimmune Lebererkrankungen wie PBC, PSC und autoimmune Hepatitis. Nach momentanem Wissensstand scheinen Nebenwirkungen oder Komplikationen bei Leberkranken nicht häufiger vorzukommen als im Allgemeinen.4 Auch Begleitmedikationen stellen meist kein Hindernis für eine Corona-Impfung dar. Allerdings gibt es Hinweise auf die Möglichkeit eines reduzierten Impferfolgs unter einer immunsuppressiven Therapie oder bei dekompensierter Leberzirrhose. Doch auch ein geringerer Impfschutz ist besser als kein Impfschutz.4

Auch geimpfte Menschen sollten sich daher aber unbedingt weiter an die inzwischen etablierten Schutzmaßnahmen halten – das gilt insbesondere auch für Menschen mit Leberzirrhose. Abstand halten, Hygieneregeln beachten, im Alltag Maske tragen, regelmäßig lüften und die Corona-Warn-App nutzen: die AHA+L+A-Formel hat sich bewährt. Es hat sich gezeigt, dass diese einfachen allgemeinen Empfehlungen zum Infektionsschutz das Ansteckungsrisiko mit dem neuartigen Coronavirus deutlich reduzieren können.6

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